AUS DER GESCHICHTE DES DORFES HOFOLPE
Hofolpe, in alten Urkunden auch „Hoff Olpe“ oder „Hoff Ollippenn“ genannt, verdankt seinen Namen offenbar dem alten Stuhlherrengut der Herren von Rüdenberg, dem Hof an der Olpe. Es liegt in einem Engtal des Olpebaches, nur wenige Kilometer von der Grenze des alten Kurkölnischen Herzogtums Westfalen entfernt. Nach bisherigen Forschungen taucht der Name erstmals in Urkunden von 1350 auf. Da man das Gut auch „Hof an der Olapa“ nannte, vermutet man, daß Hofolpe, wie Olpe und Benolpe in die Reihe der „Apa-Siedlungen“ gehört, um deren Namensdeutung, Ursprung und zeitliche Festlegung sich Sprachwissenschaftler und Forscher noch heute bemühen.
Im Laufe der Zeit wechselte das Gut mehrmals den Besitzer und war auch als Lehn- und Pachtgut bekannt. Das Wachsen des Dorfes wurde schon 1666 nach einem Verzeichnis der freibilsteinischen Güter vom 12.2. bestätigt. Genannt wurden die Güter: Stambs, Scheffer, Rumpf, Volperts, Cordes, Röttger, Cordt, Hermanns, Henrichs und Haus uff'm Hove als freibilsteinische, das heißt, keinem Grundherren eigen.
Das Urkataster von 1831 vermittelt uns Namen, die z.T. bis heute erhalten blieben: Johann Hermann Schulte, Erben Heinemann gen. alte Frohnen, Johann Trinn, Heinrich Cordes gen. Röttger, Josef Drüecke gen. Cordes, Anton Hesse gen. Volperts, Johann sämer gen Hoff, Johann Grotmann gen. Schäfers, Anton Funke gen. Neuhaus, Ww. Bothen, Johann Henrichs gen. Rumpf, Johann Fäcker und Johann Heinemann gen. Niggen.
Über 500 Jahre waren die Hofolper Waldbauern. Erst durch den Bau der Ruhr - Sieg - Strecke wurde Hofolpe aus seinem Dornröschenschlaf geweckt.
1856 gründeten G. Kissing und K. Möllemann aus Iserlohn und Gerlach Breitenbach von der Sieghütte die Hüttengewerkschaft Hofolpe zum Betriebe eines Eisenwerks. 1859 begann man mit der Herstellung von Roheisen. 40 bis 50 Arbeiter wurden beschäftigt. Hofolpe wurde zum Industriedorf, jedoch war die geschäftliche Entwicklung der Hofolper Hütte, im Gegensatz zur allgemeinen wirtschaftlichen Lage so unglücklich, daß man die Hütte schon 1873 stillegen mußte. Die Gebäude gerieten langsam in Verfall. Am 9.Juli 1889 erwarben der Hufschmied Anton Schmidt aus Hofolpe und der Stellmacher Albert Meeser aus Würdinghausen das Gelände in einer Gesamtfläche von ca.4,5 ha für 2000 Mark. Wenig später beteiligte sich auch der Kaufmann Kaspar Grünewald aus Kirchhundem an der Gesellschaft. Man wollte durch Aufstellung einer Turbine die vorhandene Wasserkraft nutzen und eine Drahtstiftefabrik errichten. In letzter Minute hat man den Plan aufgegeben und Meeser und Schmidt schieden aus der Gesellschaft aus. Somit wurde ab 1893 die Familie Grünewald alleinige Besitzerin des Werkes. Aufgrund der neuen chemischen und technischen Erfindungen auf dem Gebiet der Zellstoffgewinnung entstand der Plan, die günstigen, standortmäßigen Voraussetzungen Hofolpes, Wasserreichtum mit ausreichendem Gefälle, Waldreichtum, Kalkstein und Schwefelkies in unmittelbarer Nähe, für die Errichtung einer Papierfabrik zu nutzen. Schon 1896 wurde der erste Zellstoff erzeugt. 40 Arbeiter wurden beschäftigt. Durch die Bemühungen der Familie Grünewald gelang es in steter Aufwärtsentwicklung, einen Betrieb zu erstellen der in den ersten 20 Jahren nach dem 2.Weltkrieg auf über 240 Beschäftigte anwuchs. Daß die Entwicklung sich auch auf die Einwohnerzahl auswirkte, war selbstverständlich. Viele vorher land- oder forstwirtschaftlich genutzte Flächen mußten zu Bauland übergehen, um den Ansässigen und Zugezogenen die Möglichkeit zu geben, ein Eigenheim zu bauen. Die erste Siedlung, die heutige Sonnenstraße, konnte schon 1935 mit 15 Häusern Richtfest feiern. Nicht viel später, noch vor dem 2. Weltkrieg, wurde die zweite Siedlung im Weidekamp, heute untere Kampstraße, mit 12 Häusern erbaut. Beide haben sich nach dem Kriege um ein vielfaches erweitert, wie auch der Saalweg, die Hofolper Straße und Lindenstraße. Im Jahre 1970 zählte Hofolpe ca.1100 Einwohner.
Durch Stillegung einiger Abteilungen der Papierfabrik, Zellstofffabrik, damit verbunden Kocherei, Schwefelofen, Verdampfung, Holzplatz und Forstbetrieb, drei Papiermaschinen (nicht mehr rentable Modelle), einige Abteilungen der Papierverarbeitung, sowie Rationalisierung und Automatisierung, sank die Belegschaftszahl nach Anschaffung der neuen Papiermaschine(1969) bis heute, 1998, unter 100. Mit dieser Entwicklung hatte sicher auch das Absinken der Einwohnerzahl zu tun. Sie beträgt heute ca. 900.
Bis 1895 gingen von Hofolpe 50 Kinder nach Kirchhundem zur Schule. Da war in Hofolpe die erste Schule von Nöten, die dann im gleichen Jahre noch fertiggestellt wurde. Sie wurde zunächst einklassig genutzt. Als Lehrer Rüsing 1923 seinen Neubau bezog und dadurch die Dienstwohnung im Schulgebäude frei wurde, führte man die Schule zweiklassig, ab 1943 sogar dreiklassig. Als 1958 die Zahl der Schüler auf 123 angewachsen war, sah man sich gezwungen, einen Schulneubau zu planen, welcher auch verwirklicht wurde und 1962 bezogen werden konnte. Heute, 1998, da seit Jahren nur noch die Grundschule, eine Filiale der Grundschule Kirchhundem, unterrichtet wurde, die Zahl der Schüler noch weiter gesunken war und sich eine Lehrperson nicht mehr lohnte, werden die Schüler auf andere Grundschulen verteilt und das Schulgebäude steht zum Verkauf an.
1945 ging der vom Naziregime in Form einer Baracke errichtete Kindergarten in den Besitz der Kirchengemeinde über der zunächst von Ordensschwestern geleitet wurde und später von Staatlich ausgebildeten Kindergärtnerinnen. 1959 bezog man den neuen, an gleicher Stelle massiv gebauten Kindergarten, dem später noch ein Jugendheim angebaut wurde.
Bis 1907 hatte die Kirchengemeinde, die der Pfarrei Kirchhundem angeschlossen war, eine Kapelle. 1905/06 wurde eine Kirche gebaut. Ab 1910 erhielt Hofolpe einen eigenen Geistlichen. 1921/22 wurde das erste Vikariehaus erbaut.1923 wurde Hofolpe selbständige Pfarrvikarie. Da die Kirche 1952 nicht mehr der Besucherzahl bei den sonntäglichen Gottesdiensten genügte, wurde beschlossen, die Kirche durch einen Anbau mit gleichzeitigem Glockenturm zu erweitern. Das Vorhaben wurde wahr und 1956, zugleich mit dem 50jährigen Bestehen, konnte die
Gemeinde mit Pfarrvikar Polle die Einweihung feiern. Die neuen, klangvollen Glocken und die neu renovierte Orgel paßten zu diesem Anlass.
1969/70 wurde an der Stelle des Fretterschen Hofes, der auf den „Saal“ ausgesiedelt war, ein neues Vikariehaus erbaut. Nachdem Pfarrer Großekathöfer im Garten der Vikarie noch ein kleines Fachwerkgebäude (die Johannisklause) und eine Brunnenimitation errichtet hatte verließ er Hofolpe und ging in den verdienten Ruhestand. Von 1991 bis 1996 bewohnte noch Pfarrer Syska als letzter für Hofolpe zuständiger Geistlicher in eigener Pfarrvikarie das Vikariehaus. Seit 1996 wird Hofolpe wieder von der Pfarrei Kirchhundem betreut.
Damit die Verstorbenen der Gemeinde nicht mehr in der Leichenhalle des St. Josef Hospitals Altenhundem aufgebahrt werden sollten, erbaute man in den Jahren 1977/78 auf dem Friedhofsgelände in Hofolpe eine Leichenhalle. Sie enthält einen Andachtsraum und zwei Kabinen zur Leichenaufbewahrung sowie einen Geräteraum.
Nach einer gründlichen Kirchenrenovierung, Erneuerung des Altarraums, des Kirchenraums, Einbau einer Ölheizung, Außenrenovierung (Neuverfugung der Außenwände), sowie neue Dachbedeckung konnte 1984 die Weihe der neuen Orgel vorgenommen werden, ein Klangkörper von hohem Rang. Dies alles war eine schöne Umrahmung für die Kirchenkonzerte, die der MGV veranstaltete.
Der 1919 gegründete Schützenverein kaufte 1927 die alte Turnhalle des TV Littfeld, ein Fachwerkbau, der oberhalb des Teiches der Fa. Grünewald wieder aufgebaut wurde. Dieser wurde nach einigen Anbauten im Jahre 1975 durch eine Stahlkonstruktion total verändert. Die Halle wurde höher und durch zwei weitere Fensterreihen heller und luftiger. In einem weiteren Anbau wurden Toiletten und Duschanlagen eingerichtet. Eine moderne Küche, renovierter Vorraum und Speiseraum, eine neugestaltete Bühne und Bar bieten für alle Veranstaltungen, wie für das diesjährige Jubiläum, „80 Jahre MGV Hofolpe“, mit gleichzeitigem stattfindendem Volksliederwettbewerb die erforderlichen Räumlichkeiten.
Der Schützenverein ist auch Verwalter eines Fonds für das Ehrenmal, das 1935 auf einem Felsplateau auf dem „Stein“ errichtet wurde. Zuerst krönte es eine alte Haubitze, welche von den in den letzten Kriegstagen einrückenden Amis für eine Waffe gehalten und unter Artilleriebeschuß genommen wurde. Ungetroffen wurde sie nach dem Einmarsch vom Sockel den Felshang hinab gestürzt. Danach errichtete man auf dem Sockel ein großes Holzkreuz, das in der Advents- und Weihnachtszeit von der Feuerwehr mit einer Lichterkette umsäumt wird und dann weit durch das Olpetal und den umliegenden Hängen sichtbar ist. In diesem Jahre, 1998, hat der Schützenverein die alte Gedenktafel durch eine neue ersetzt, die aus Bronze besteht und auf Schützenfest eingeweiht wurde. Außerdem ist der Sockel gründlich renoviert und mit einer Kupferabdeckung versehen worden.
Die 1945 durch Lehrer Wessel gegründete Feuerwehr, die als erstes Gerätehaus den alten Schuppen der als Unterstand für den Leichenwagen diente, benutzte, konnte im Jahre 1963 das neu errichtete Gerätehaus in Besitz nehmen. Ebenso wurde von der Gemeinde ein neues modernes Löschfahrzeug angeschafft, das inzwischen durch neue ersetzt wurde.
Der SSV Hofolpe, der 1946 gegründet wurde, hat an diesem Gerätehaus der Feuerwehr ein Sportlerheim angebaut, das mit Dusch- ,Umkleide- und Aufenthaltsraum eingerichtet ist. Die Fußballabteilung konnte im Jahre den im Armecketal erbauten und dringend benötigten Sportplatz einweihen.
Ein ganz wichtiges Kapitel der Dorfentwicklung war die Aufschlitzung des 63 m langen Tunnels aufgrund der Elektrifizierung der Ruhr - Sieg - Strecke der Bundesbahn. Im gleichen Zuge wurde die Umgehungsstraße durch diese Felsspalte gebaut. Diese Maßnahme sollte beide Bahnübergänge und Schrankenwärterhäuschen erübrigen. Jedoch das Dorfbild sollte eine gründliche Änderung erfahren durch den Bau einer hohen und langen Betonstützmauer, die zum „Stein“ hin errichtet wurde, um die Bundesstraße, die jetzt rechts der Bahnstrecke Richtung Siegen verläuft, vor Steinschlag zu schützen. Über diese entstandene Felsspalte mußte eine selten schräge Brücke die Verbindung zur alten Vikarie, zur Schule, zum Ehrenmal und zu den Feldern auf dem „Stein“ aufrecht erhalten.
Die Zufahrten zur Dorfmitte und Kampstraße sowie der Fa. Grünewald wurden durch zwei lange, auf Pfeilern erbaute Brücken, gesichert. Die im Jahre 1963 begonnenen Baumaßnahmen waren eine hohe Belastung für die Dorfbewohner, da sie sich über 14 Jahre, bis 1977 ausdehnten. Weichen, ein Mehrfamilienhaus der Fa. Grünewald und das Haus Stahl an der unteren Bahnschrnke sowie ein Bahnhaus an der oberen mußten dieser Maßnahme weichen.
Außerdem wurden Opfer durch Abriß wegen Betriebserweiterung und Bahnanschluß der Fa. Grünewald schon in früheren Jahren die sogenannte „Neustadt“ mit den Häusern Emde gen. Vetters, Heimes, Japes, Hennecke und ein Mietshaus der Fa. Grünewald, alles Fachwerkhäuser, denen später der Hof Fretter, der Hof Grotmann, der in den „Weidekamp“ ausgesiedelt war und an dessen Stelle die Fa. Grünewald einen Parkplatz errichtete, 5 weitere Mietshäuser der Fa. Grünewald, 2 alte Backhäuser, die inzwischen als Mietshäuser dienten und das Haus Humberg, das unbewohnt noch Opfer eines Brandes wurde, folgten.
Unter Denkmalschutz steht erfreulicherweise das Fachwerkhaus Kramer, welches nach Renovierung ein hervorragendes Bild in der Dorfmitte abgibt.
Die Chronik verfaßte nach alten Aufzeichnungen
Herbert Rauterkus